Gegen das Vergessen – Gedenktafel erinnert an Siegfried Betz in Holzhausen

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben“, Dieser Satz des verstorbenen italienischen Schriftstellers und Auschwitzüberlebenden Primo Levi stand als Mahnung über die gelungene Feier zur Enthüllung einer großen Gedenktafel für das erste Opfer der Nationalsozialisten im Siegerland. Seit Freitag erinnert diese Tafel am Eingang der Hainstraße in Holzhausen an den Holzhausener Bürger Siegfried Betz, der am 25. Juli 1932 im Alter von 22 Jahren von einem Sturmtrupp der SA vor seinem Elternhaus in der damaligen Hintergasse angeschossen und am 8. August seinen schweren Schussverletzungen erlag. Bürgermeister Christoph Ewers enthüllte sie im Beisein von über 100 Bürgerinnen und Bürgern zusammen mit Mitgliedern des dörflichen Initiativkreises. Der wichtigste Satz auf der Gedenktafel lautet: „Sein Schicksal erinnert uns an alle Opfer von Terror und Gewalt, in unserer Gesellschaft darf solches nie wieder geschehen.“ In seiner Einführung erinnerte Ulrich Krumm an den Lebensweg von Siegfried Betz. Schon früh wurde er Mitglied des im Jahr 1919 gegründeten Ortsvereins der SPD, der im Dorf damals eine starke Gemeinschaft bildete und dem seinerzeit über 60 Mitglieder angehörten. Die Beerdigung von Siegfried Betz als erstes Opfer der Nazis im Siegerland am 12. August wurde mit über 2.000 Teilnehmern zu einer eindrucksvollen Demonstration für die Demokratie und gegen die aufziehende Diktatur. Ulrich Krumm erinnerte nicht nur an die Geschehnisse, die den Nazi-Terror in Holzhausen offenbar werden ließ: Anhand dieser markanten Tafel, die auf einer großen Basaltsteele liegt, holen wir die Geschichte an diesen Ort zurück, zum Gedenken an alle Opfer von Diktatur und Gewalt und allen zur Mahnung. Der Vorsitzende des SPD Ortsvereins Volker Gerstner Volker Gerstner sagte in seinem Redebeitrag: „Wir dürfen die Augen vor der Vergangenheit nicht verschließen. Diese Gedenktafel ist für unser Leben und unsere Zukunft enorm wertvoll.“ Bürgermeister Christoph Ewers dankte der Dorfgemeinschaft für die lebendige Erinnerungskultur. Er betonte, dass zur Identifikation mit seinem Heimatdorf auch die Auseinandersetzung mit deren Geschichte gehöre. „Es sei wichtig, dass Holzhausen seiner werteorientierten Haltung in Form einer Gedenktafel an eine Naziopfer Gesicht verleihe. Gerade auch in Zeiten, in dem man allzu leicht Populisten auf dem Leim gehe begreife er die Gedenktafel als ein Zeichen des Mutes, der Hoffnung und der Bewusstseinsbildung der Holzhausener Dorfgemeinschaft. Ein besonderer Höhepunkt der Feier war die Erinnerung durch den 95-jährigen Holzhausener Bürger Willi Krautwald, der als Nachbarskind im Alter von 10 Jahren die Ereignisse miterlebt hat und sichtlich bewegt seine Erinnerungen kundtat.
Die Gedenkfeier wurde durch den Posaunenchor Holzhausen u. a. mit den Stück „Shalom“ musikalisch umrahmt. Zum Abschluss stimmten die Besucher in das vom Posaunenchor angestimmtem Volkslied „Die Gedanken sind frei“ von Hoffmann von Fallersleben ein. Der Atatürkverein Siegerland brachte seine Verbundenheit mit einem kleinen Kranz zum Ausdruck. Danach schloss sich ein Gesprächsaustausch bei Kaffee und Kuchen in der „Alten Schule“ an.

Bilderquelle: Harri Hermann

__Der Link zu einem Pressebeitrag in der Westfalenpost / Westfälische Rundschau: Hier 

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